Herausragende Objektive der 70ziger und 80ziger Jahre Teil I

In der Geschichte der Objektivherstellung gab es immer wieder revolutionäre Entwicklungssprünge.

Das Tokina 80-200mm 2.8 SD ATX

Tokina produzierte ab 1981 professionelle Objektive der ATX Serie. Einige wurden zu Legenden. Das Tokina 80-200mm 2.8 SD ATX gehörte dazu. Es war der erste gelungene Versuch, ein hochwertiges Zoomobjektiv mit diesem Brennweitenbereich und durchgängiger Blende 2.8 anzubieten. Außerdem ein Komplettpaket mit Stativschelle und Gegenlichtblende. Damit hatte es zur damaligen Zeit ein Alleinstellungsmerkmal – mit Offenblende 2.8 gab es nur Festbrennweiten, wie das Nikon Nikkor 180mm 2.8 ED

Die Haptik des Tokina 80-200mm 2.8 SD ATX  ist super – es liegt wunderbar in der Hand, der Push-Pull Zoomring lässt sich geschmeidig schieben und das Scharfstellen gelingt präzise – an meiner Nikon F3 mit Motor macht es außerdem eine „sehr gute Figur“.

Das Objektiv war für die  damalige Zeit eine Revolution. Gut – CA’s sind da – aber nicht so extrem, dass sie nicht heute mit einem guten Fotobearbeitungsprogramm in den Griff zu bekommen wären. Auch ab 160mm gibt es Probleme bei Offenblende mit den Randbereichen. Im Zentrum produziert es über den gesamten Brennweitenbereich sehr scharfe Fotos. Schon ab Blende 4 ist es extrem scharf über den gesamten Linsenbereich. Deshalb wurde es zum Standardobjektiv vieler Profis.

Nikon musste darauf reagieren

Im November 1987 wurde deshalb passend zur Autofokus Nikon F4 das Nikon Nikkor 80-200mm 2.8 ED Zoom vorgestellt. Die Lichtstärke von 2.8 und die aufwändige Konstruktion mit 16 Elementen in 11 Linsengruppen, 3 ED Glas-Linsen und einer Mehrschichtenversiegelung erinnert aber stark an das Tokina Objektiv. Da Nikon damals keine eigene Glasproduktion hatte, wurde Nikon von … eben, Tokina beliefert. Die Mehrschichtenvergütung und die drei ED Linsen – bei Tokina nur eine SD Linse – waren der Unterschied. Identischer Filterdurchmesser von 77mm, gleich großer Köcher, fast identische Länge und Gewicht.

                     

Allerdings führte die Berechnung des Nikon Objektives und die Vergütung der Frontlinse zu überdurchschnittlicher Bildschärfe schon bei Offenblende. Damit gab es zum ersten mal über den gesamten Brennweitenbereich keine Schwachstelle mehr. Dieses Zoomobjektiv stellte das Tokina ATX –  SD in den Schatten. Damit gelang Nikon der nächste Quantensprung im Zoom Bereich.

Fazit

In den 1980ziger Jahren war der immense Preisunterschied oft das Entscheidungsmerkmal zugunsten des Tokina Objektivs. Denn der Amateur kaufte zu einem günstigen Preis (ungefähr ein Drittel zum Nikon Objektiv) mit dem Tokina 80-200mm 2.8 SD ATX  den Eintritt in eine Welt der Available Fotografie, die vorher nicht denkbar war. Und: in den 1980ziger Jahren waren 1600 ISO oft schon die Grenze des machbaren. Auch heute digital genutzt ist das Tokina 80-200mm 2.8 SD ATX  ein sehr gutes Objektiv, wenn man seine Schwächen kennt. Es ist ein ideales Portraitobjektiv mit einer fantastischen Freistellung, gutem Kontrast und einem sehr schönen weichen Bokeh – und im Kernbereich extrem scharf.

Zudem ist das Komplettpaket mit Stativschelle – die bei Nikon teuer dazugekauft werden musste – ein weiterer Faktor der damaligen moderaten Preisgestaltung. Gut 10 Jahre war dieses Objektiv – weiterführend auch als Autofokusobjektiv angeboten – ein großer Konkurrent für Canon und Nikon. Leider war Tokina nicht wie Nikon in der Lage, die Bildschärfe im Randbereich über den gesamten Brennweitenbereich weiterzuentwickeln und damit marktfähig zu bleiben.

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